
Vor mehr als 2000 Jahren befand sich in den Hängen unterhalb der Burg Hörtenberg in Pfaffehofen eine stattliche Siedlung mit mindestens 30 Häusern. Mehrere Jahre lang haben Archäologen des Denkmalamtes und der Bayerischen Akademie der Wissenschaften dort gegraben. Nun stellte der Grabungsleiter Markus Wild eine umfangreiche Dokumentation in Buchform vor.
Gudrun Gstraunthaler vom heimischen Chronistenteam begrüßte die vielen interessierten Besucher der Präsentation im Saal des Sozial- und Gesundheitszentrums Pfaffenhofen herzlich. Die Zuhörer wurden auch nicht enttäuscht. Archäologe Markus Wild referierte spannend über den Inhalt seines dreibändigen Werks und erzählte über die Ausgrabungen und Funde und was man daraus ableiten kann. Obwohl nur etwa acht Prozent der Siedlungsfläche erforscht werden konnten, ist die Ausbeute beachtlich. Zwei Zahlen dokumentieren das: Die Archäologen bargen bei insgesamt sieben Grabungskampagnen ca. 15.000 Tonscherben und etwa 5000 Tierknochen.Mehrere Häuser wurden zum Teil oder ganz ausgegraben. Georadardaten ergaben, dass auf dem vollständig verbauten Hang einst mindestens 30 Gebäude standen. Die Siedlung aus der Eisenzeit existierte von etwa 700 v. Chr. bis Christi Geburt. Die Bewohnerinnen und Bewohner waren Räter, die der Fritzens-Sanzeno-Kultur angehörten.
Die in den Hang hinein gebauten Häuser entsprechen genau dem in Tirol gut bekannten Typus des „rätischen Hauses“ und wurden meist über Jahrhundert bewohnt, wenn auch der Nutzungszwecke wechseln konnte. So wurde etwa festgestellt, dass eine der komplett ausgegrabenen Wohnstätten erst ein schöner großer Hof war, dann jedoch abbrannte. Danach errichtete man an dieser Stelle ein deutlich kleineres Gebäude, in dem Getreide gemahlen wurde.

Auch sonst lassen die Funde Rückschlüsse auf das Leben und Wirtschaften der Bewohner zu, die durchaus über einen gewissen Wohlstand verfügten. Zur sozialen Differenzierung der Bevölkerung sind allerdings noch Fragen offen. Denn die Wohnstätte des Dorfoberhaupts wurde nicht gefunden. Dieser Herrensitz lag vielleicht auf dem Burghügel, wo dann im Mittelalter Schloss Hörtenberg errichtet wurde.
Was den wirtschaftlichen Hintergrund der Siedlung betrifft, fällt auf, dass unter den Tierknochen sehr viele Überreste von Pferden oder Maultieren sind. Vielleicht, so eine Spekulation, spielte das Dorf eine wichtige Rolle im antiken Transitverkehr und stellte Saumtiere für den Weg über die nahegelegenen Pässe nach Norden (Fernpass und Seefelder Sattel) zur Verfügung.

Unter den vielen ausgegrabenen Fundstücken besonders interessant sind zwei kleine Objekte mit eingeritzten rätischen Schriftzeichen sowie zwei Münzen: Die Forscher fanden eine – damals außerordentlich wertvolle – keltische Goldmünze und ein Kupfergeldstück der nordafrikanischen Karthager aus der Zeit um 290 v. Chr. Zwei schöne Funde. Allerdings sei es, wie Markus Wild hervorhob, nicht ganz ungewöhnlich, dass die Räter, die selbst kein Geld prägten, Münzen aus anderen Kulturkreisen besaßen und verwendeten.
Im Jahr 15. v. Chr. gliederten die Römer den Alpenraum in ihr Reich ein. Bald darauf wurde die Siedlung oberhalb von Pfaffenhofen verlassen. Warum, wissen wir nicht. Markus Wild betonte aber, dass sie nicht durch kriegerische Ereignisse im Zusammenhang mit der römischen Invasion zerstört wurde. Vielleicht haben Änderungen der ökonomischen und sozialen Rahmenbedingungen dazu geführt, dass die „Urpfaffenhofer“ die Siedlung an den Hängen bei Hörtenberg aufgaben. Wahrscheinlich zogen sie weiter ins Tal hinunter und begründeten dort das heutige Pfaffenhofen. Der nahegelegene Kult- und Opferplatz am Trappele-Acker – eine andere wichtige archäologische Stätte Pfaffenhofens – wurde allerdings danach noch jahrhundertelang, bis in die späte römische Kaiserzeit hinein, genutzt.

Das dreibändige und 1200 Seiten starke Werk „Die eisenzeitliche Siedlung von Pfaffenhofen-Hörtenberg in Tirol“ von Markus Wild ist als Band 69 der Reihe „Münchner Beiträge zur Vor- und Frühgeschichte“ im Verlag C. H. Beck erschienen.
Text und Fotos: Stefan Dietrich
30. September 2026


