
Am ersten Freitag im Juli führte die zweite Station der von Bezirkschronistin Sylvia Brunner organisierten Reihe „Lerne deine Bezirkshauptstadt kennen“ zur Stadtpfarrkirche Schwaz.

Die Führung begann am ehemaligen Friedhof der Pfarrkirche. 1960 war der Friedhof mit rund 3.000 bis 4.000 Gräbern voll, Beerdigungen wurden daraufhin aus Platzgründen eingestellt. Ein neuer Friedhof entstand östlich des Klosters St. Martin. Den Nachkommen blieb Zeit, die Grabsteine zu entfernen, bevor die Fläche zur Grünanlage wurde. An den Friedhof erinnert heute noch die Lichtsäule in der Mitte des Parks. Jeden Freitag um 10.30 Uhr treffen sich hier die „Freunde der Lichtsäule“ und beten für die ca. 50.000 Verstorbenen, die hier über Jahrhunderte begraben wurden.

Rund um die Grünfläche ziehen sich die Arkaden, deren südlicher Teil am 15. Dezember 1944 durch einen Bombenabwurf zerstört wurde – seither sind die Arkaden in diesem Bereich nicht mehr vorhanden. Die hofartige Situation wurde durch eine graue Mauer wieder hergestellt (siehe Hintergrund des obigen Fotos).

Weiter ging es in den Glockenturm. Dass es einen zusätzlichen, neuen Glockenturm abseits der Kirche brauchte, liegt am 72 Meter hohen Kirchturm der Pfarrkirche selbst: Sein Fundament reicht nur drei Meter tief, und er steht nicht mehr ganz gerade, er neigt sich um 83 cm nach Osten. Die Wucht einer läutenden Glocke hätte ihn vermutlich weiter beschädigt.
Im Glockenturm besichtigte die Gruppe das Uhrenmuseum, die Glocken sowie die ehemalige Wohnung des Turmwächters.




Danach führte der Weg zur St. Veitskapelle.





In der doppelschiffigen Pfarrkirche.


Zum Abschluss ging es hinauf in den Dachstuhl über den beiden Kirchenschiffen: eine Halle für sich, mit einer ganz eigenen Atmosphäre gegenüber der Kirchenhalle darunter. Rund 2.100 Baumstämme aus Pfaffenhofen wurden hier in fünf Jahren zu diesem Dachstuhl verbaut. Laut dendrochronologischer Untersuchung wurden die Stämme in jenem Jahr geschlagen, in dem Christoph Kolumbus Amerika entdeckte.


Gebaut ist der Dachstuhl rein aus Holz, ganz ohne Metall und ohne einen einzigen Nagel. Zwölf im Glockenturm wohnhafte Turmfalkenpaare halten den Dachstuhl der Pfarrkirche übrigens taubenfrei.

Die dritte und letzte Führung der Reihe, die am ersten Freitag im August stattfinden wird, wird sich der Geschichte der Fugger in Schwaz widmen. Herzlichen Dank an Sylvia Brunner für die Organisation und an Matin Luxner für die großartigen Fotos!
Fotos: Martin Luxner
Text: Veronika Lamprech


